Germann Auktionshaus AG
Lot 27 / Bedeutende Gemälde, Skulpturen, Aquarelle, Zeichnungen und MultiplesMontag, 08. Juni 2015, 18:00 Uhr

Max Ernst, Au coeur de l'hiver

Lot 27

Max Ernst, 1891-1976 (DE)

Au coeur de l'hiver, 1957

Öl auf Leinwand.
H 555 mm B 460 mm.

(Rahmen). Unten rechts signiert: max ernst.

CHF200'000 / 300'000
EUR180'000 / 270'000
USD200'000 / 320'000

Hammerpreis: CHF 125'000

Anmerkung:

Provenienz:
Bedeutender Basler Privatbesitz.

Ausstellung:
Paris, Galerie Creuzevault.
Max Ernst, Januar - Februar 1958.

Literatur:
W. Spies, S. & G. Metken.
Max Ernst, Werke 1954 - 1963.
Köln, DuMont, 1998.
Nr. 3260, Seite 111, Abbildung.

Informationen über den Künstler

Zu den Höhepunkten des ersten Auktionsabends zählt das Werk ‘Nu allongé et personnage’ 1934, von Max Ernst. Das surrealistische Gemälde mit strahlendem Bergpanorama im Hintergrund verbindet im vorderen Teil eine liegende, in die Landschaft integrierte Frau und fantastische Tierwesen. Das Bild verwebt nicht nur inhaltlich, sondern auch in der Malweise verschiedene, für Ernst typische Elemente zu einem mehrschichtigen Bildrätsel. Es verwundert nicht, dass sich der Schweizer Dirigent und Kunstmäzen Paul Sacher damals für dieses Gemälde begeisterte. Wie ein Briefwechsel belegt, schenkte er es 1934 dem Sohn seines Freundes Conrad Beck zur Geburt und es blieb danach mehrere Jahrzehnte in Familienbesitz, bis es 1988 erstmals auf dem Markt gelangte. Es sind aber nicht nur die für den Künstler typischen innovativen malerischen Elemente sowie die Provenienz, welche dieses Objekt besonders spannend machen.

Das Gemälde entstand in einer biografisch sehr interessanten Phase des Künstlers. Im Herbst 1933 entbrannte zwischen ihm und der Schweizer Künstlerin Meret Oppenheim eine kurze, leidenschaftliche Liebe. Die mittlerweile veröffentlichten Briefe, welche Max Ernst in dieser Zeit an die Künstlerin schrieb, bezeugen neben der Intensität dieser Amour fou auch den künstlerischen, philosophischen und politischen Austausch der beiden. Während sich das politische Klima 1934 zusehends verdunkelte, litt Ernst überdies unter der geografischen Trennung von Meret Oppenheim. Den Sommer 1934 verbrachte er bei seinem Freund Alberto Giacometti in dessen Sommeratelier in Maloja, wo er an Granitblöcken erste bildhauerische Versuche unternahm. Im Herbst 1934 beendete die junge Meret Oppenheim die Beziehung für beide Seiten überraschend, Ernst und sie blieben aber darüber hinaus noch lange in Kontakt. Im Oktober 1934 trat Max Ernst schliesslich an einer Ausstellung im Kunsthaus Zürich erstmals im Kreise seiner surrealistischen Künstlerfreunde auf. Das von ihm verfasste Vorwort zur Ausstellung wird zu einem Klassiker der theoretischen Schriften des Surrealismus.

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